Doktor-Eisenbarth-Mittelschule Oberviechtach
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In den Willkommensklassen geht's mit großem Eifer ans neue Alphabet

"Ich komme aus der Ukraine": Diesen Satz beherrschen sie schon sehr gut, die 14 Schüler, die vor dem Krieg in der Ukraine geflohen sind. Begeistert stürzen sie sich in der Oberviechtacher Willkommensklasse auf die Fremdsprache - und verzichten auf Ferien. –

So beginnt der Artikel auf der Kreisseite in der Regionalzeitung „Der neue Tag“, der die Willkommensgruppen im Landkreis vorstellt. Monika Bugl von der Oberviechtacher Redaktion war zu einem Pressetermin vor Ort und berichtet weiter:

Im Eifer vergessen die Sechs- bis 16-Jährigen aus der Ukraine schon mal, den Finger zu heben, wenn ihre Betreuungskraft Kamila Spichtinger eine Was-ist-das-Frage stellt. "Tafel" oder "Pinsel" sind Wörter, die als Antwort für das gezeigte Objekt leicht über die Lippen gehen. Auch die Kleinsten in der Gruppe schaffen schon Dialoge auf Deutsch mit dem Banknachbarn. Und das nach einer Woche. Denn nach den Osterferien ging es los mit der Willkommensklasse in der Doktor-Eisenbarth-Schule Oberviechtach.

Streng genommen ist es keine Klasse, sondern eine Gruppe, die sich hier von 7.55 Uhr bis 11.10 Uhr trifft. Denn es sind alle Altersklassen versammelt, und nur in einem Fach sind sämtliche Schüler fast auf dem gleichen Stand: in Deutsch. Hier haben die Geflüchteten die Chance, die Sprache ihres Gastlandes zu lernen, Kontakte zu knüpfen und für ein paar Stunden den Krieg in der Heimat zu vergessen. Keine einfache Sache, wenn man mit kyrillischen Schriftzeichen aufgewachsen ist und erst einmal das lateinische Alphabet pauken muss.

"Ein großes Bedürfnis" ist dieser Unterricht, das hat Rektor Werner Winderl schon bei der Kontaktaufnahme erfahren. "Von der ersten Minute an ist uns Dankbarkeit entgegen geschlagen", berichtet Konrektor Christian Schreiner. In einem ersten Schritt wurden sogenannte Paten für die Neuankömmlinge installiert: Schüler mit russischem Migrationshintergrund, die als Dolmetscher aushelfen können.

Auch Kamila Spichtinger, Betreuungskraft in der Spezialklasse, hat es hier dank ihrer Sprachkenntnisse einfach mit dem Kontakt, wenn sie gemeinsam mit Lehramtsstudent Maximilian Breu vor der großen weißen Tafel steht. "Wir dürfen die Schüler nicht überfordern", warnt sie, "alle sind so fleißig". Die vier Stunden in der Oberviechtacher Schule werden deshalb nicht nur mit Sprachunterricht gefüllt, sondern auch mit Musik, Sport oder Kunst. Im Büro von Rektor Winderl lehnt bereits eine Gitarre, die ein Schüler aus der Ukraine erhalten soll, ein Saxofon steht auf der Wunschliste.

Rückkehr im Blick

Auch gute Künstler hat der Schulleiter schon ausgemacht. "Wir haben nach dem Lieblingsort hier gefragt, da haben alle die Schule gemalt", erzählt er stolz. Denn eines unterscheidet die jungen Ukrainer von den Migranten, die bisher ins Schulsystem integriert wurden. "Wir haben hier einen ganz anderen Ansatzpunkt", erklärt stellvertretende Schulamtsleiterin Renate Vettori. "Wir müssen zweigleisig fahren und den ukrainischen Lehrplan berücksichtigen", stellt sie klar, denn in diesem Fall ist der Aufenthalt nicht auf dauerhaftes Bleiben ausgerichtet. Trotzdem seien Anbindung und Integration wichtig.

Wie klappt das zeitlich überhaupt, wenn parallel zum Online-Unterricht via Ukraine die Willkommensklasse funktionieren soll? "Der Distanzunterricht ist ohnehin ausgerichtet auf Zeiten, in denen nicht gerade bombardiert wird", erklärt der Schulleiter, "wenn die ukrainischen Lehrkräfte nachts wegen der Angriffe im Keller sitzen, müssen sie vormittags erst einmal schlafen, bevor sie Unterricht halten können." In Oberviechtach hat man dafür i-Pads als Leihgabe bereitgestellt, und eine Menge digitaler Unterrichtsmaterialien des Ministeriums vorsondiert. Dazu gibt es spezielle Lehrbücher. Der Lions-Club sowie die Frauenbund-Organisationen von Oberviechtach und Teunz sind als Sponsoren aktiv geworden. Der Förderverein der Doktor-Eisenbarth-Schule hilft, Personalkosten zu überbrücken, und eine Privatperson finanzierte Schulrucksäcke.

Lust auf Lernen

Auch für die große Weltkarte ist Kamila Spichtinger dankbar, wenn sie die neuen Schüler jetzt auf Deutsch nach dem Heimatort fragt. "Die Kinder sind glücklich hier, total willig", staunt auch die Konrektorin der Grundschule, Stefanie Hauser. "Sie haben wirklich Freude am Unterricht", bestätigt Diana Dekin die mit ihrem perfekten, dem Ukrainischen sehr ähnlichen Russisch als "Patin" einen guten Draht zu Dima, Polina und den anderen Neuen in der Willkommensklasse hat. Für sie alle würden nun eigentlich in der Ukraine im Mai die Ferien beginnen. Doch jetzt werden sie in Oberviechtach weiter die Schulbank drücken. Die 15-jährige Diana ist sich sicher: "Die machen das freiwillig."

Text: Monika Bugl (DnT)/Fotos: Werner Winderl


Fleißig melden sich die ukrainischen Schüler in der Willkommensgruppe an der Doktor-Eisenbarth-Mittelschule in Oberviechtach zu Wort.

Auch für die große Weltkarte ist Kamila Spichtinger dankbar, wenn sie die neuen Schüler jetzt auf Deutsch nach dem Heimatort fragt.


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