Interview mit dem
neuen Schulleiter
Herrn Rudolf Teplitzky
Klasse M8
 
Das Interview wurde für die Ausgabe "Eisenbarth-Kurier" Nummer 4 im Mai 2005 aufgezeichnet.

 

Herr Teplitzky, ab dem Schuljahr 2005/2006 werden Sie als neuer Schulleiter an der Doktor-Eisenbarth-Schule tätig sein. Freuen Sie sich auf diese Zeit?

 

Ich freue mich schon darauf und ich bin heute gerne zu euerem Interview in die Doktor-Eisenbarth-Schule gekommen. Es ist für mich immer interessant, wenn mich eine Klasse einlädt, insbesondere wenn es sich – wie heute – um die Klasse M 8 handelt, die auch für die Oberviechtacher Schülerzeitung „Eisenbarth-Kurier“ verantwortlich ist.

 

Wie lange sind Sie schon Lehrer bzw. Rektor?

 

Nach meinem Lehramtsstudium an der Universität Regensburg und dem 1. Staatsexamen 1976 bereitete ich mich drei Jahre lang als Lehramtsanwärter auf die 2. Staatsprüfung vor und war dann Lehrer bis 1992. Von 1993 bis zum Jahre 2001 war ich in der Schulleitung als stellvertretender Schulleiter (Konrektor) tätig. Danach wurde ich Schulleiter (Rektor) an der Hauptschule Neunburg.

 

 

An welchen Schulen waren Sie bisher tätig?

 

In Niedermurach, Oberviechtach, Teunz, Schönsee, Schwandorf und Neunburg.

 

                                              

Sie verlassen Neunburg v. Wald. Was werden Sie an ihrer alten Schule vermissen?

 

Vermissen werde ich auf jeden Fall all die guten Freunde, die mich auf meinem Weg als Schulleiter begleitet haben und für mich da waren, wenn ich sie brauchte, und alle, die ich auf ihrem Weg begleiten durfte.

 

 

Was halten Sie von der PISA-Studie?

 

Die PISA-Studie ist eine internationale Studie, das Ergebnis eines internationalen Vergleichstests von Schülerleistungen in den Bereichen Sprache, Mathematik und Naturwissenschaften. Beim letzten Test sahen wir nicht gut aus, mit „wir“ meine ich Deutschland und seine Schulen. Es kam zum so genannten zweiten „PISA-Schock“. Kein Wunder. Trotz glühender Reden hat sich am Schulsystem in Deutschland ja nicht wirklich substantiell etwas geändert. Niemand wird erwarten, dass die Einführung von Englischunterricht in der Grundschule wirklich eine bahnbrechende Maßnahme sei, um das Niveau der Allgemeinbildung anzuheben. Unser Problem in Deutschland: Sind die Kassen der öffentlichen Haushalte leer, darf Bildung nicht viel bzw. nichts mehr kosten.

Trotz aller Appelle und Bedenken, die wir heute bezüglich der Bildung unserer Kinder und der Zukunft Deutschlands haben, scheitern die Pläne zur Verbesserung bislang immer noch am Etat. Ich hoffe trotzdem, dass es bei der nächsten PISA-Studie 2006 bessere Ergebnisse für Deutschland geben wird. Grundsätzlich halte ich viel davon, dass wir uns international vergleichen lassen und mir wäre es wichtig, wenn als Folge dieser Ergebnisse gemeinsame sichtbare Zeichen in der Gesellschaft gesetzt würden.

 

 

Und nun einige Fragen zum Thema „Teplitzky privat“.

Wann haben Sie Geburtstag?

 

Am 3.Juni.

 

 

Sind Sie verheiratet und haben Sie Kinder?

 

Verheiratet seit 1977. Drei Kinder. Michael (Student Lehramt), Ilona (Sozialpädagogin) und Rudolf (Student Patentingenieurwesen)

 

 

Ihr Lieblingsschulfach ist …?

 

...Englisch, besonders in den oberen Jahrgangsstufen. Gerne begleite ich die Schüler auch bei der Vorbereitung auf die Englischprüfung zum Erwerb des qualifizierenden Hauptschulabschlusses oder der Mittleren Reife.

 

 

Was wollten Sie als Kind werden?

 

Eigentlich wollte ich immer den gleichen Beruf wie mein Vater ergreifen: Förster. Erst viel später, nach  dem Abitur und Wehrdienst, habe ich mich für den Lehrberuf entschieden.

 

 

Welche Person aus der Geschichte hätten Sie gerne einmal getroffen?

 

Den kürzlich verstorbenen Papst Johannes Paul II. Trotz seiner unnachgiebigen Grundposition in innerkirchlichen und sozial-moralischen Fragen zeigte dieser Papst eine ungewöhnliche Ausstrahlungskraft. Seit Beginn seines langen Pontifikats gründete sich dieses Charisma auf seine auch noch im hohen Alter ungebrochene Bereitschaft zur politischen Stellungnahme. 

 

Ihre Lieblingssendung im Fernsehen ist …?

 

Ich komme nicht allzu viel zum Fernsehen. Aber wenn ich Zeit habe, dann schaue ich gerne freitagabends „Die Komiker – Bairisch Comedy“ an oder „Ottis Schlachthof – Kabarett, Talk und Musik“, manchmal auch „Herbert & Schnipsi“.  Mit viel Biss und eigenen Betrachtungsweisen wird dabei dem Zuschauer die politische und gesellschaftliche Aktualität nähergebracht.

 

 

Welches Buch liegt auf ihrem Nachttisch?

 

Am Nachttisch selbst liegt keines, aber ich lese zur Zeit  wieder einmal „Der Mensch“ von Eugen Roth. Dieser Schriftsteller hat dem Menschen tief ins Herz geschaut, er hat in sein Innerstes hineingehorcht. Seine heiteren Verse sind bekannt für Witz und Weisheit.

 

 

Sie hätten gerne mehr Zeit für …?

 

...Sport. Allzu sehr fehlt mir die Zeit für Sport. Mit meinen Kollegen treffe ich mich einmal in der Woche zum Lehrersport (Fußball) hier an euerer Schule in der Mehrzweckhalle. Aber das ist für mich zu wenig.

 

 

Wovor haben Sie Angst?

 

Berechtigte Angst habe ich zunächst vor einer sich weiter entwickelnden Arbeitslosigkeit in Deutschland, besonders der Jugendarbeitslosigkeit.

Was den Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit betrifft, so muss einerseits in den Bereichen Prävention und Qualifizierung entschieden anders vorgegangen werden als bisher. Andererseits ist die Jugendarbeitslosigkeit Teil der allgemeinen Krise der Arbeit, deren Überwindung eine wesentliche Bedingung dafür ist, die Jugendarbeitslosigkeit zu verringern.

Eine Absage muss all jenen erteilt werden, welche sich die Überwindung der Jugendarbeitslosigkeit vom zu erwartenden Geburtenrückgang erhoffen. Die Zukunft ist grundsätzlich nicht vorhersehbar, da man nie alle Faktorenichtigen, geschweige denn richtig einschätzen kann. Außerdem gibt es zahlreiche Einflüsse, welche die Entlastung des Arbeitsmarktes durch einen Geburtenrückgang mehr als neutralisieren könnten. Wir haben das Problem jetzt.

Die alten Tugenden wie Gewissenhaftigkeit, Zuverlässigkeit, Ordnung, Pünktlichkeit, Disziplin und Selbstdisziplin, die uns in der Phase des Wiederaufbaus nach dem Krieg  Fundament boten und deretwegen wir auch im Ausland immer wieder gelobt werden, sollten künftig wieder mehr im Vordergrund stehen.

Deutschland geht es – global gesehen – bestimmt nicht schlecht. Im Gegenteil: Wir stehen als Industrienation auf einem der vorderen Plätze im internationalen Vergleich, davon habt ihr im Fach Arbeit / Wirtschaft / Technik schon gehört. Deutschland wird sogar als „Exportweltmeister“ bezeichnet und wenn wir keine guten Waren hätten, würden wir sie auch nicht in alle Welt verkaufen können.

 

Des Weiteren habe ich Angst davor, dass sich Deutschland politisch in eine falsche Richtung bewegen könnte, nämlich in eine Art Isolation ohne die richtigen Bündnispartner. Unser Land braucht nach wie vor Bündnispartner, die entschlossen sind, wesentliche sicherheitspolitische Ziele gemeinsam zu verfolgen: Freiheit, Sicherheit und dauerhaften Frieden.

 

 

Mit welchem Prominenten würden Sie gerne tauschen und warum?

 

Ich würde einmal gerne an Stelle von Frau Sabine Christiansen sitzen, mir  die wichtigsten Bildungspolitiker Deutschlands zu einer Gesprächsrunde einladen und mit ihnen über eine effiziente Bildungspolitik in Deutschland sprechen. Denn wenn wir unserer Jugend immer wieder sagen „Ihr seid die Zukunft unserer Nation“, dann bin ich der Meinung, müssten alle Bildungspolitiker, ja letztendlich die ganze Gesellschaft,  mehr auf dem Bildungssektor unternehmen. (Frau Christiansen könnte im Austausch  meine Schule leiten.)

 

 

Was bringt Sie auf die Palme?

 

Auf die Palme bringt mich eigentlich so leicht nichts. Nur wenn ich angelogen  oder betrogen werde, kann ich wegen des Vertrauensbruchs schon ganz schön wütend werden. Dann kann es schon einmal passieren, dass ich auch sehr laut bin. Also, Lug und Betrug können mich schon „auf die Palme“ bringen.

 

 

Haben Sie Hobbys?

 

Als Jäger bin ich gerne in der freien Natur. Jagd und Hege - die Pflege, das Betreuen von Wild hier in unserer Heimat (Jagdrevier Pullenried) sind meine Hobbys.

 

 

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, welche wären das?

 

Während wir uns hier im Klassenzimmer aufhalten, toben gleichzeitig weltweit viele Kriege. Das wäre zunächst mein erster Wunsch, dass auf der Erde Frieden einkehren möge.

 

Der zweite Wunsch wäre der, dass wir die Hungersnöte auf der gesamten Welt beenden könnten. Ich kenne Pater André aus dem Kongo, ein schwarzer Pater, welcher ein Krankenhaus im Kongo leitet und der sagt, dass die Menschen dort zurzeit so wenig zu essen haben,  dass ihnen sogar im Krankenhaus die Patienten verhungern.

 

Mein dritter Wunsch: Unsere Jugend soll in den Schulen Erfolg haben und dort bestens nicht nur auf das Wirtschafts- und Berufsleben, sondern auch auf das Leben allgemein vorbereitet werden.

 

 

Für welche Reparaturarbeiten im Haushalt brauchen Sie keinen Handwerker?

 

Nur für kleine provisorische Reparaturarbeiten. Unter klein verstehe ich, dass ich z. B.  ab und zu einen Dübel selber setze und dass ich vielleicht mal tapeziere usw.  Für alle anderen Reparaturfälle  oder Instandsetzungsarbeiten im Haushalt beauftrage ich qualifizierte Fachkräfte. Unsere Handwerker beraten intensiv, planen gut und leisten schließlich beste Arbeit.

 

 

Wofür sind Sie nicht zu gebrauchen?

 

Nicht zu gebrauchen wäre ich z. B. als Stuntman. Ich habe höchsten Respekt vor den Männern und Frauen, die diese gefährlichen bzw. lebensgefährlichen Situationen für andere Schauspieler meistern. Ich könnte das nicht machen, denn da hätte ich tatsächlich zu viel Angst davor.

 

 

Was ist für Sie eine Versuchung? 

 

Gute Frage! Wenn mir ein Gourmetessen angeboten wird, da würde ich schon einiges dafür geben. Das wäre wirklich eine Versuchung für mich.

 

 

Was fällt Ihnen zu folgenden Begriffen ein?

 

Oberviechtach

Oberviechtach verbinde ich mit meinem Wohnort und zukünftigen Dienstort. Die Doktor-Eisenbarth-Schule.

 

Doktor Eisenbarth

Dr.-Eisenbarth-Festspiel. In der kommenden  Woche beginnen bereits die Festspielproben. (Anmerkung der Redaktion: Das Interview wurde am 2. Mai aufgezeichnet.) Auch in diesem Jahr werde ich zusammen mit meiner Familie das Festspiel wieder besuchen. Ich freue mich schon darauf.

 

Schule

Mein neuer Dienstort Oberviechtach ist eine Schulstadt. Vertreten sind hier die Grund- und Hauptschule (Dr.-Eisenbarth-Schule), die Förderschule, das Gymnasium und die Berufsfachschule.

 

Ferien

Wir, Lehrkräfte und Schüler, freuen uns gemeinsam auf die Pfingstferien, die in der nächsten Woche beginnen. Bei mir schaut es allerdings so aus, dass ich einen Teil der Ferienzeit  dafür verwenden werde, die Planung für das nächste Schuljahr zu entwerfen.

 

 

Urlaub

Ich freue mich schon auf meinen Urlaub. Den werde ich zusammen mit  meiner Frau dieses Jahr wieder in Kärnten / Österreich am „Weißen See“ verbringen. Ca. eine Woche ist dafür vorgesehen – ich freue mich schon heute auf diese Erholungsphase.

 

Bayern

Unser Freistaat Bayern ist etwas Besonderes. Das gilt besonders auch für die Bildungspolitik. Wenn ich nochmals die Ergebnisse der  PISA-Studien aufgreifen darf, so steht fest, dass nach Abschluss der Auswertungen Bayern zusammen mit Baden-Württemberg den vordersten Rang einnimmt. Die Schüler dieser  beiden Bundesländer haben am besten abgeschlossen. Folglich können wir dafür dankbar sein, dass wir hier in Bayern an der Schule sind und ich glaube, es ist gut so.

 

Computer

Ohne Computer „geht“ praktisch nichts mehr. Der Computer ist in den letzten zehn Jahren immer mehr zu einem sehr wichtigen Werkzeug geworden. Früher war ich tatsächlich der Meinung, dass die uns nachfolgende Generation in erster Linie mit dem Computer arbeiten werde. Aber dann überrollte auch mich die Computerwelle und innerhalb eines Jahres sah ich mich gezwungen, mich mit dem Computer „anzufreunden“, sonst wäre die Verwaltungsarbeit nicht mehr zu erledigen gewesen. Die gesamte Verwaltung der  Schule läuft nur noch über die elektronische Datenverarbeitung.

 

 

Schülerzeitung

Ich spreche euch und euerem Klassenleiter Herrn Köppl, was euere Schülerzeitung „Eisenbarth-Kurier“ anbelangt, ein „dickes Lob“ aus. Ihr engagiert euch in besonderer Weise und beteiligt euch sogar an der Herstellung der Zeitung aktiv. Nicht nur die Themenwahl gefällt mir daran, sondern auch die sprachliche Umsetzung und die gestalterische Aufbereitung. Ich kann euch, liebe Schülerinnen und Schüler der Klasse M 8 und euerem Klassenleiter Herrn Köppl, ganz besonders aber der Doktor-Eisenbarth-Schule, zu dieser gelungenen Schülerzeitung nur gratulieren.

 

Herr Teplitzky, danke für das Interview.