Interview
mit dem
scheidenden Schulleiter
Peter Minsapost
(Klasse M8)
 
Mit Ende des Schuljahres 2004/2005 beendet Rektor Peter Minsapost seine aktive Zeit als Lehrer und Schulleiter. Das nahm das Redaktionsteam des „Eisenbarth-Kurier“ zum Anlass, um mit Herrn Minsapost ein Interview zu führen.
 

Herr Minsapost, wie lange unterrichten Sie schon als Lehrer an Schulen?

 

Dazu gebe ich euch eine Rechenaufgabe. Ich habe vor 40 Jahren angefangen, im letzten      September hatte ich mein 40-jähriges Dienstjubiläum. Jetzt könnt ihr ausrechnen, wie lange ich schon unterrichte. 1966 habe ich angefangen zu unterrichten und davor war ich zwei Jahre bei der Bundeswehr tätig. Diese Zeit zählt auch zu meinem Dienstalter.

 

 

Als Lehrer wissen Sie ja, dass manche Schüler Probleme mit den Noten haben. Wie sahen denn Ihre Noten als Schüler aus?

 

O mei! Ich hatte nicht nur Einser und Zweier, ich war ein mittelmäßiger Schüler. In den Fächern Mathematik, Physik und Chemie war ich ein bisschen besser, in Sprachen mittelmäßig. Ja, und es ist auch was aus mir geworden. Man muss halt mit offenen Augen durch die Welt gehen und schauen was gibt es da, was gibt es dort, wo kann ich was mitnehmen, das mir und vielen anderen nützt. Wie gesagt, um Schulleiter zu werden muss man nicht ein Einser Zeugnis haben. Man muss später seine Sache gut machen

 

 

Herr Minsapost, wenn Sie an Ihre Kindheit zurück denken, wollten Sie werden …?

 

Ich kann mich nicht erinnern, dass ich in meiner Kindheit einen bestimmten Berufswunsch hatte. Erst als ich mit 17oder18 Jahren erkannte, dass ich in Mathematik und in Physik sehr begabt war, wollte ich denn Beruf des Ingenieurs oder Schlossers einschlagen. Da in dieser Zeit der Freistaat Bayern viel Werbung für Lehrerkräfte machte, weil in dieser Zeit Lehrer sehr knapp waren, entdeckte ich meinen Beruf.

 

 

Sie sind also Lehrer geworden. Wie ging Ihre schulische Laufbahn weiter

 

Interessante Frage, da fällt mir gerade das Lied „Der Wandersmann“ ein, in welchem die Wanderbrüder des Mittelalters besungen wurden. Ihr habt es bestimmt schon einmal gehört, dass man im Mittelalter Berufserfahrungen sammeln musste. Ich bin eigentlich in dem Sinn nicht so ein großer Wandersmann geworden. Meine Einsatzorte kann ich an einer Hand abzählen. Das waren: Teunz, für kurze Zeit Nabburg, dann wieder für längere Zeit Teunz und jetzt zum Schluss Oberviechtach.

 

 

Seit wie vielen Jahren sind Sie Schulleiter?

 

Schulleiter bin ich im Jahr 1978 geworden. Im Schuljahr 1977/78 war ich bereits als zweiter Konrektor in Nabburg eingesetzt. Rektor wurde ich dann ein Jahr später. In Teunz war eine Rektorenstelle frei, weil Herr Thumfahrt, mein Vorgänger in Teunz, in den Ruhestand ging.

 

 

 

 

 

Wann sind Sie in Oberviechtach Rektor geworden?

 

Ich wollte mich an einer größeren Schule verwirklichen und eine neue Herausforderung wagen, obwohl es mehr Arbeit war. Deshalb bewarb ich mich im Jahre 1999 im Alter von 58 Jahre um die Stelle als Rektor in Oberviechtach.

 

 

Welche Fächer unterrichten Sie am liebsten?

 

Ich habe meine Lieblingsfächer in meiner Lehrerausbildung entdeckt. Sie sind Physik und Mathematik. Früher habe ich auch Sport unterrichtet, da war ich auch noch schlanker.

Da hätte ich euch noch was vorgemacht, na ja einigen. Felgaufschwung, Felgumschwung, Kippe usw. Das einzige, was ich in Sport nicht so konnte, waren die Wurfdisziplinen. In Kugelstoßen hat mich fast jeder geschlagen. Ich war aber ein guter Läufer und ein guter Weitspringer.

 

In der Zeit von 1973 bis 1987 hat mir mein Lehrerdasein sehr gut gefallen, weil das Rennrodeln in den differenzierten Sportunterricht an Bayrischen Schulen aufgenommen wurde. Da fuhr ich zu Übungslehrgängen nach Berchtesgaden und machte Rodeln in Teunz und in der Oberpfalz bekannt. Wir hatten Rodelwettkämpfe in Teunz auf einer wunderbaren Bahn in der Hanau. Sie war 500 Meter lang. Es war sogar schon einmal eine bayerische Schülermeisterschaft da, bei der damals der Hackl Schorsch mitfuhr. Er war damals in der achten Klasse. Am Anfang machten  wir das Rodeln auf Schulebene und später auch auf Vereinsebene. In der Zeit sind meine Schüler in Teunz bestimmt sieben- bis achtmal Bayerische Schülermeister bei „Jugend trainiert für Olympia“ geworden.

 

Herr Günther war damals schon in Oberviechtach an der Schule und hat an den Wettkämpfen teilgenommen. Aus der Oberpfalz reisten Mannschaften aus Kötzting und  Eichstätt zu uns nach Teunz für die Bezirksfinalkämpfe an. In dieser Zeit hatte Teunz , was Rodeln betrifft, einen Namen. Aber dann kamen keine Winter mehr. So ein Winter wie heuer wäre recht gewesen. Nicht nur Schüler aus Teunz, sondern auch aus Oberviechtach und Winklarn fuhren damals am Königssee auf der Rennrodelbahn. Herr Günther hat damals auch immer hervorragende Plätze belegt. Das war eine schöne Zeit.

 

 

Herr Minsapost, in einem Lehrerleben gibt es ja schönere und weniger schöne Ereignisse. Woran erinnern Sie sich besonders gerne?  

 

Nach Teunz kamen damals auch die Niedermuracher Schüler. An diese Zeit denke ich heute noch gerne zurück. Es waren Schüler wie der Fröhler Eugen, Lobinger Robby,  Schmitzer Fritz, Gradl oder Forster.  Alle waren damals schon mit vierzehn oder fünfzehn Jahren hervorragende Musiker. Wir  haben schöne Feste gespielt. Diese Leute gehören heute  zu den  Pertolzhofner Blasmusikanten. Aber jetzt haben sie einen anderen Namen. Mit diesen Schülern haben wir viele Feiern gemacht. Daran denkt man gern zurück.

 

 

Und an welches Ereignis erinnern Sie sich weniger gerne?

 

Ich musste in meiner aktiven Laufbahn hier, auch hier in Oberviechtach, drei Schüler mit auf ihrem letzten Weg begleiten. Das heißt, es sind drei Schüler gestorben. Einmal war es eine Schülerin aus der zweiten Klasse bei einen Schulbusunglück  ums Leben gekommen. Schon in den Ferien, als ich mich nach Oberviechtach gemeldet  hatte, war eine Neuntklässlerin auf tragische Weise  ums Leben gekommen. Vor zwei Jahren eine weitere Schülerin, die schwer krank war. Und wenn man da am Grab steht, ist das dann für einen Lehrer schon schwer. Man kennt die Kinder, es sind junge Leute. Auch bin ich immer wieder betroffen, wenn Schüler die ich früher hatte, tödlich verunglückt sind.

 

Sonst gibt es eigentlich nicht so viele Dinge, die weniger schön waren. Freilich, manchmal gab es Schwierigkeiten mit Schülern und auch mal ab und zu Schwierigkeiten mit Kollegen. Wenn Menschen zusammen arbeiten, sind die Meinungen und Interessen teilweise unterschiedlich. Der eine sieht die Sache so, der andere so. Da kann es schon mal vorkommen, dass man vielleicht hier und da vorübergehend auch, wie ihr sagt „Zoff hatte“. Das war aber wirklich die Ausnahme.   

 

 

Sie gehen nach über 40 Jahren Schuldienst in den Ruhestand. Glauben Sie, dass Ihnen die Schule fehlen wird?

 

Wenn ich jetzt zähle, wie viele Arbeitstage ich als Lehrer noch vor mir habe, so komme ich auf ungefähr 82 Tage (Anmerkung der Redaktion: das Interview wurde am 7. März geführt) Ein bisschen wird sie mir die Schule schon fehlen. Die Tätigkeit machte mir schon Spaß und es war auch eine Herausforderung, die Stundenpläne zu erstellen und die Gruppen einzuteilen.

 

 

Was wollen Sie im Ruhestand machen?

 

Ich hab noch keine großen Pläne für diese Zeit. Aber mit einem neuen Hobby habe ich schon angefangen. Seit einem halben Jahr mache ich Malkurse bei der Volkshochschule in Pfreimd. Wir arbeiten mit Acrylfarben. Es sind zwar nicht solche Werke, dass man sie verkaufen könnte,  aber das Malen macht Spaß. Es ist eine sinnvolle Betätigung im Kreis von Gleichgesinnten. Wir sind eine Gruppe von zehn bis zwölf Leuten und treffen uns in Pfreimd in der Schule. Ich werde mir auch mehr Zeit nehmen, um auf den Golfplatz zu gehen.

           

 

Herr Minsapost, nun zu unserer letzten Frage. Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, was würden Sie sich wünschen?

 

Dass ich jetzt in der Rente oder in der Pension noch lange Zeit gesund bleibe, das ist mein größter Wunsch. Vielleicht ist es mir auch vergönnt, mit meinen Kindern noch das eine oder andere schöne Erlebnis zu haben. Ich habe drei Töchter. Eine davon ist noch in der Ausbildung. Sie will auch Lehrerin werden. Ein weiterer Wunsch ist, dass ihr vielleicht ab und zu mal an den „alten Minsapost“ denkt,  auch wenn ich die meisten von euch nicht direkt unterrichtet habe und dass wir auch später offen auf uns zugehen können.

 

Was soll man in meinem Alter für weitere Wünsch haben? Die Hauptsache ist, man bleibt in meinem Alter gesund, denn die Gesundheit ist das wertvollste Gut.

Herr Minsapost, wir bedanken uns für das Gespräch. Wir wünschen Ihnen im Ruhestand vor allem Gesundheit und viel Freude bei Ihren weiteren Aktivitäten.