Interview mit Doktor Johann Andreas Eisenbarth  (1663-1727) *

Klasse M9 (2002/2003)

Dass es den Doktor Eisenbarth wirklich gab, ist  unbestritten. Aber er war nicht der Scharlatan und Quaksalber, wie er im Volkslied dargestellt wird. Um das zu belegen, machten sich einige Schülerinnen und Schüler des Redaktionsteams des  „Eisenbarth-Kurier”  auf eine Reise in die Vergangenheit. Durch eine im Werkunterricht an der Doktor-Eisenbarth-Schule  entwickelte Zeitmaschine gelang ihnen der Sprung in das Jahr 1727 nach Magdeburg.

Wir befinden uns im Arbeitszimmer des berühmten Doktor Andreas Eisenbarth. Erschrocken und verwundert betrachtet er die vier Besucher, die plötzlich aus dem Nichts kommend in seinem Arbeitszimmer stehen.

Herr Doktor Andreas Eisenbarth, bitte entschuldigen Sie unser Eindringen. Dürfen wir uns kurz vorstellen. Wir sind Andrea Greiner, Birgit Killermann, Sebastian Schwandner und Michael Ring von der Redaktion des Eisenbarth-Kurier , der Schülerzeitung der Doktor-Eisenbarth-Schule in Oberviechtach.

Doktor-Eisenbarth-Schule, Eisenbarth-Kurier, Schülerzeitung? Was soll das?

Ja Herr Eisenbarth, Sie sind jetzt eine Berühmtheit in Ihrer Geburtsstadt Oberviechtach. Sogar unsere Schule ist nach Ihnen benannt. Deshalb möchten wir gerne  mit Ihnen ein Interview machen.

Merkwürdig! Aber da ihr nun mal hier seid, werde ich euere Fragen beantworten.

Herr Eisenbarth, lange wurde Viechtach in Niederbayern als Ihr Geburtsort angegeben. Wann und wo sind Sie wirklich geboren?

Niederbayern, so ein Unfug. Ich bin am 27. März 1663 in Viechtach geboren. Das liegt gleich in der Nähe der Burg Murach. Wie sagt ihr jetzt dazu - Oberviechtach? Winklarn und Schönsee sind  in der Nähe, wenn ich mich richtig entsinne.  

Herr Eisenbarth, Sie sind heute ein berühmter Wundarzt. Waren Ihre Vorfahren auch Ärzte?

Ja, mein Vater und Großvater waren Ärzte

Warum wurden Sie Arzt?

Es bereitete mir Freude, anderen Menschen zu helfen. Schon als kleiner Bub habe ich meinem Vater bei seiner Arbeit zugesehen. Später ging ich zu meinem Schwager Alexander Biller nach Bamberg. Hier lernte ich als Stein- und Bruchschneider.

In welchem Alter führten Sie Ihre erste Operation durch.

Da muss ich mal nachdenken. Das war meine Gesellenprüfung in Laufen (bei Salzburg: Anm. der Redaktion) im Beisein meines Lehrmeisters und Schwagers Alexander Biller, wenn ich mich recht erinnere. Da war ich 21 Jahre alt - also war das 1684. Acht Jahre war ich in Ausbildung.

Herr Eisenbarth, welche Art von Operationen führen Sie durch?

Also, ich schneide Nierensteine und Gallensteine heraus. Da bin ich führend. Hier meine Herrschaften, schauen Sie nur. Hier sehen Sie meine Privilegien vom Kaiser, von Herzögen und Fürsten. Von zwölf Königen und Landesfürsten zwischen Polen, Preußen und England wurde ich zum privilegierten Landarzt ernannt. Die Privilegien habe ich alle für meine Leistungen verliehen bekommen. Ich nehme Amputationen vor und ziehe Kugeln und andere Fremdkörper heraus. Ich entferne Kalksteine aus der Magengegend. Sie entstehen durch falsche Ernährung. Schwerthiebe werden von mir behandelt. Ich steche den Star, das ist eine Augenkrankheit. Ein falscher Stich und der Patient ist blind. Hier meine jungen Besucher, schaut her, diese Starnadel wurde von mir erfunden und nach meinen Anweisungen hergestellt.  

Herr Eisenbarth, wozu verwenden Sie die Starnadel genau?

Das ist eine Nadel, mit der ich in einem bestimmten Winkel ein kleines Loch in die getrübte Hornhaut des Auges steche, damit wieder etwas Licht auf die Sehnerven fällt. Dadurch habe ich schon Blinde  geheilt. Da gibt es viele Scharlatane,  die das auch machen. Wenn der Stich nicht genau sitzt, ist das Augenlicht verloren.

Herr Eisenbarth, welche Narkose verwenden Sie?

Narkose, was meint ihr damit?

Eine solche Operation tut doch weh. Wie betäuben Sie Ihre Patienten?

Ach die Betäubung meint ihr. Ich verwende keine Betäubung. Es gibt zwar Alkohol oder Opium. Das ist aber sehr gefährlich. Ich habe immer versucht, ein Operationsverfahren anzuwenden, das für meine Patienten möglichst schmerzlos und am wirkungsvollsten war. Natürlich tut so eine Operation meist ganz schön weh - aber dafür ist man den Rest seines Lebens geheilt. Und dann habe ich natürlich noch meine Gaukler und Musikanten.

Sie haben Gaukler und Musikanten? Wozu braucht ein Arzt solche Leute?

Ja, gibt es das bei euch nicht, dass die Ärzte Musikanten bei den Operationen dabei haben? Die Patienten schreien oft recht laut bei meinen Eingriffen. Deshalb habe ich Musikanten vor meinem Operationszelt. Wenn sie spielen, kann niemand die Schreie hören. Was glaubt ihr, mir würden die Patienten weglaufen, wenn sie die Schreie hören würden.

Da beschäftigen Sie ja eine Menge Leute.

Ja, das kann man sagen. Letztes Jahr hatte ich über 100 Helfer, die für mich auf den Jahrmärkten arbeiteten.

Warum operieren Sie auf Jahrmärkten, Herr Eisenbarth?

Ganz einfach. Auf den Jahrmärkten sind viele Leute. Meine Helfer kündigen mich vorher an. So wissen  viele Menschen von meiner Ankunft. Wer könnte ihnen besser helfen als ich, der berühmte Doktor Eisenbarth.

Sie machen also Werbung vor Ihren Operationen?

Selbstverständlich. Dafür habe ich meine Leute, Musikanten, Gaukler, Feuerschlucker, Tänzer und eine Theatergruppe.  Meine Patienten kommen von überall her. Ich lasse eigens Reklamezettel verteilen.

Warum operieren Sie nicht an einem Ort, in einem Krankenhaus oder einer Praxis?

Hätte ich eine feste Praxis, würden nicht so viele Patienten zu mir kommen. Ich ziehe durch das ganze Land und komme sozusagen zu den Patienten. Dadurch erreiche ich mehr Leute und  verdiene  mehr. Ich bleibe nach den Operationen bei den Patienten, bis sie völlig gesund sind. Dann ziehe ich weiter in eine andere Stadt.

Was verdienen Sie an einer Operation?

Das ist unterschiedlich. Manche Leute haben kein Geld. Da nehme ich auch mal Hühner und Gänse oder andere Lebensmittel für meine Dienste. Mein Personal muss auch leben. Von reicheren Patienten bekomme ich zwischen 10 bis 50 Taler für eine Operation. Daneben verkaufe ich Arzneimittel.

Sie vertreiben Arzneimittel?

Ja selbstverständlich. Die Mittel lasse ich herstellen und verkaufe sie bei meinen Auftritten. In Magdeburg habe ich eine Fabrik für Arzneimittel. Seit 1703 besitze ich da ein Haus und habe in der Stadt das Bürgerrecht.

Herr Eisenbarth, Sie haben die Starnadel und den Polypenhaken weiterentwickelt. Wer stellt für Sie die Instrumente her?

Das machen Gold- und Silberschmiede für mich, aber auch andere Leute, die diese feinen Geräte herstellen können. Ich habe Leute in Augsburg und Nürnberg, die für mich arbeiten.

Sind Sie verheiratet?

Ich bin in zweiter Ehe verheiratet. Meine erste Frau starb nach 35 Ehejahren.

Haben Sie Kinder?

Insgesamt habe ich sieben Kinder, fünf Söhne und zwei Töchter.

Herr Eisenbarth, leider müssen wir Sie nun verlassen und nach Oberviechtach in das Jahr 2003 zurückkehren. Wir bedanken uns recht herzlich bei Ihnen, dass Sie sich Zeit genommen haben, unsere Fragen zu beantworten. Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg bei Ihrer Arbeit.

(*Die Klasse M9 bedankt sich bei Dr. Reisinger vom Stadtarchiv Oberviechtach für die Hilfe und wissenschaftliche Beratung bei der Erstellung des Interviews)